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Topic
Mai 2012
Zuhören und
Verstehen
Gar nicht so leicht,
der Weg vom Hören zum Verstehen!
Seit einigen Monaten
besuche ich eine Vorlesung, in der ich bis zu zwei Stunden
nahezu regungslos sitze und zuhöre. Zumeist sind es
Vorträge in deutscher Sprache, manchmal bis oft werden
aber auch Zitate in lateinischer, altgriechischer,
hebräischer und arabischer Sprache eingestreut, deren
Übersetzung ich, bewundernd für das Wissen der
Vortragenden, folge.
Vor einigen Wochen
vernahm ich zu meinem Erstaunen, dass erst seit dem 17.
Jahrhundert Bürger lernten, einige Stunden zu sitzen,
um konzentriert zuzuhören. Diese Leistung wird
inzwischen von den Schulkindern als
Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Und welche
Leistung ist es, dabei auch viele Informationen zu erhalten,
die neu sind und kaum an das anschliessen, was man bereits
weiss? Und noch weiter: Wo ist die Zeit und Kraft, das alles
kritisch zu bedenken und in das "schon-Gewusste"
einzuordnen?
Nach eigenen Erfahrungen,
was das Zuhören anbelangt, gehe ich nun davon aus, dass
wir uns alle noch in einer Lernphase befinden, was das
Aufnehmen von Informationen von Aussen anbelangt. Zudem
trifft das, was wir aufnehmen (sollen) auf eine Art inneres
Chaos, zumindest eine gewisse Unordnung, in der manches an
der Oberfläche verfügbar bleibt, anderes aber, und
das ist wohl das meiste, absinkt, oder in meinem Alter: In
einer dicken Wolke über mir, weit vorne verborgen
schwebt, aus der sich erst nach einigem Nachdenken und
besonderer Konzentration das Unklare aus dem Dunkel
herausbewegt, um ein Aha-Erlebnis auszulösen.
Nun nehme ich, und Sie
ebenso, einiges tagtäglich auf, dabei filtern wir wohl
erst einmal das, was wir schon kennen und je nach dem Grad
der Bequemlichkeit verbleiben wir dabei und wenden uns dem
Nächsten Bekanntem zu, oder fragen nach, zuerst uns
selbst und später, wenn Gelegenheit ist, auch
denjenigen, der uns die Neuigkeiten mitgeteilt hat.
Bei den Vorlesungen ist
Nachfragen nicht erlaubt, danach braucht es einige
Erklärungen, ehe man den eigenen Gedankengang mit dem
angleicht, was der Vortragende vielleicht hinzutun
könnte. Ein schwieriges Unterfangen Zumindest mein Mann
und einige Auserwählte beim Schwimmen lassen das
Gehörte noch einmal Revue passieren, so wird es auch
für mich etwas deutlicher, sprich einfacher und
verständlicher.
Dennoch, nachfragen ist
einfach unumgänglich, wollen wir wirklich verstehen.
Das heisst auch in uns nachfragen:
Was gehört
zu meinem Leben? und dann den Gegenüber die Frage
stellen: Habe ich das richtig verstanden?
Die zwei Stunden ruhiges
Stillsitzen ist es wohl wert, das Gesagte auch verstehen zu
wollen!
Fazit:
Zuhören allein reicht nicht, ich muss es auch für
mich verstehen können!
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